Bericht über den Einsatz vom 31.10.- 15.11.2011

Liebe Mitstreiter/innen,
liebe Freunde,

Am 07. November hat ENDLICH (!!!) unsere HNO ihren vollen Betrieb aufgenommen. Wie Ihr alle wißt, fehlten uns bis dato Betten, ohne die eine operative Disziplin – vor allem auch mit den spezifischen Risiken unseres Fachs – zwar diagnostizieren aber nicht vollwertig therapieren kann. Also mußten wir die an den Nerven zehrende Geduld aufbringen, bis das kleine Nebengebäude (zufällig die uralte HNO aus der italienischen Kolonialzeit) für uns frei und renoviert war.

Eine Woche vor diesem ersehnten Termin ist von uns eine 8-köpfige Gruppe nach Asmara geflogen, um in einem Intensiv-Einsatz noch u.a. folgende Vorbereitungen zu treffen:

  • Einziehen einer Rigipswand zur Abgrenzung einer Aufwachzone (linke Hälfte der Wartehalle);
  • Verlegen der Kabelschächte mit Anschlüssen für 4 Patienten-Betten;
  • Einsortieren aller noch verpackten Instrumente in Steril-Container (als Op-Sets) und in die Behandlungseinheiten mit Anfertigen von Listen und Fotos;
  • Inbetriebnahme des Sterilisators (dies hat für Ulrich Keller fast den gesamten letzten Tag in Anspruch genommen, denn der „Steri“  mußte auch noch auf den Luftdruck in Asmara bei 2400 Meter ü.d.M. angepaßt werden);
  • Aufstellen und Überprüfen aller Geräte mit Elektro-Anschlüssen vornehmlich im Operationssaal und Einweisung des Personals;
  • endgültige Inbetriebnahme des Op mit Einweisung;
  • Anbringen von Rollos, Toilettenrollen, Händetrocknern (Papier und Elektrogebläse), etc.;
  • Reinigung des gesamten Gebäudes. (Unter anderem hatte in vielen Ritzen und Nischen eine afrikanische Population stattlicher Raupen ihre Kokons hinterlassen).
  • Einrichten der renovierten ehemaligen HNO nebenan, wo jetzt in 4 Räume für 15- max. 20 Betten Platz ist; dazu noch ein kleines Schwesternzimmer +1 kleine Küche.

Der Tag unserer Abreise am 07.11.2011 war mit der vollen Inbetriebnahme der Ambulanz und des Op als Generalprobe vorgesehen. Es hat alles zur Zufriedenheit geklappt!
Mit diesem Tag ist die gesamte HNO vom (außerhalb der Stadt gelegenen) Halibet-Krankenhaus endgültig in das zentrale Orotta-„Klinikum“ umgezogen.

In der folgenden Woche hat Frau Dr. Ursula (Ulla) Schröder, OÄ an der Uni Lübeck, (siehe Anhang) täglich von morgens bis abends operiert. Es hat sich gezeigt, daß – wie sollte es auch anders sein! – auch in Eritrea das gesamte vielseitige Spektrum an HNO-Erkrankungen existiert. Viele dieser Patienten hatten bisher nur eine Überlebenschance, wenn sie sich im Ausland operieren ließen, was aber nur die Wenigsten bezahlen können. Solche Erkrankungen bedeuteten also bisher ein chronisches Leiden oder waren      ein Todesurteil. Das ändert sich nun – ein echter Quantensprung für das Land und seine Menschen!
Auch unsere „Lehr-Audiometristin“ Maria Sölch hat in diesen Tagen wieder hervorragende Arbeit geleistet. Sie bringt mit viel Geduld dem einheimischen Personal die Kunst des Audiometrierens bei. Dieses Mal waren es 61 Patienten, davon 41 Kinder. Dazu kamen  Hörgeräte-Anpassungen bei 6 Kindern und die Anfertigung von  Gehörgangs-Abdrucken von 32 Kindern (alle bilateral), für die uns nun die Fa. KIND individuell angefertigte Hörgeräte herstellen will.

Einen herzlichen Gruß aus Köln,

Eberhard Stennert

 

Download: Den ausführlichen Bericht von Frau Dr. Ursula Schröder können Sie hier (PDF 352 kB) herunterladen.