Was erwartet Sie als Besucher?

Eritrea ist nicht ein Land „unter Palmen“ mit tropischer Vegetation und lauschigen Stränden.
Es ist eines der Länder, die das sogenannte „Horn von Afrika“ bilden. Es erstreckt sich entlang der südlichen Hälfte der afrikanischen (westlichen) Küste des roten Meeres, grenzt gegenüber vom Jemen an Dschibuti, im Westen an den Sudan und im Süden an Äthiopien. Damit liegt es am östlichen Ende der Sahelzone, die durch Trockenheit und Hitze gekennzeichnet ist.

Aber damit enden auch schon die meisten Gemeinsamkeiten mit den Ländern dieser Region.
Bereits geographisch könnten die Unterschiede nicht größer sein: Exakt hier verläuft der afrikanische Grabenbruch und bedingt eine eindrucksvolle Steilküste von streckenweise atemberaubender Schönheit zwischen der Meeresküste mit seiner Hafenstadt Masawa und dem Hochland, an dessen „Kante“ die Hauptstadt Asmara liegt.

In der Projektion auf der Landkarte liegen beide Städte nur etwa 70 km auseinander, aber während Masawa auf Meereshöhe liegt, liegt Asmara auf 2400 m Höhe. In Richtung Dschibuti fällt das Gelände in die Danakil Wüste ab, die 110 m unter dem Meeresspiegel liegt. Vor der Küste befinden sich die Dahlak Inseln, ein ausgedehntes und in seiner Natürlichkeit erhaltenes Korallen-Archipel.

Entsprechend groß sind die klimatischen Unterschiede: Während der Sommermonate (Juni-August) können die Temperaturen im Tiefland bis zu 50° C bei hoher Luftfeuchtigkeit steigen, während in Asmara auch am Tag die Temperaturen durchschnittlich bei 20-24° C liegen und immer ein leichter Wind weht, was für ein sehr angenehmes Klima sorgt. Am Abend wird es allerdings schnell kühl, sodaß ein Pullover oder ein Anorak nötig wird. In der Danakil Wüste hingegen erreichen die Temperaturen über 70 ° C, womit sie zu den heißesten Regionen der Erde zählt.

Die italienischen Kolonialherren ließen zur Überwindung der Steilküste zwischen Asmara und Masawa eine Schmalspur-Eisenbahn bauen, deren Gleise nach fast vollständiger Zerstörung während des 30-jährigen Unabhängigkeitskrieges inzwischen wieder restauriert worden sind. Heute gilt das Befahren dieser Strecke in einer Originalbahn für Eisenbahn-Freaks als die eindrucksvollste Zugfahrt der Welt.

Eritrea leidet unter einer sehr negativen Presse. Dahinter verbergen sich geopolitische Machtinteressen, denn der übermächtige Nachbar Äthiopien hat trotz der gewaltigen Militärhilfe (zunächst durch die USA unter Kaiser Haile Selassie und später durch die UdSSR unter dem Militärmachthaber Mengistu) den Sieg der eritreischen Freiheitsbewegung nicht verhindern können und hat damit seinen Zugang zum Roten Meer verloren, den er allzu gern zurück erobern würde. Und gleichzeitig hat damit auch Äthiopiens Schutzmacht USA seine Marinebasis vor der eritreischen Küste aufgeben müssen und so die direkte Kontrolle über die wichtigste Wasserstraße der Welt (neben dem Panamakanal) und über die besonderen Krisenregionen „Horn von Afrika“ und „Naher Osten“ verloren.
Entgegen der daraus resultierenden anhaltenden Kritik überrascht Eritrea den Besucher mit einer Reihe von bemerkenswerten Besonderheiten, die man sich bei den meisten anderen Ländern wünschen würde:

Eritrea: eine afrikanische Besonderheit

  • Auch wenn man es nicht glauben mag: Es gibt keine Korruption!!! Noch nie hat in den vielen Jahren unserer Tätigkeit vor Ort irgend jemand, irgendwo, für irgend etwas „eine Hand aufgehalten". Diese außergewöhnliche Erfahrung haben die zahlreichen deutschen Helfer/innen aller in Eritrea tätigen NGO's ("Hammer Forum e.V.", das seit 20 Jahren dort agiert, seine Nachfolgeorganisation „ArcheMed e.V.", „Eritrea Hilfswerk Deutschland (EHD)" und „Medcare for People in Eritrea e.V.") gleichermaßen gemacht.
  • Auch am Zoll gab es bisher nie Probleme, obwohl mit jedem Flug regelmäßig viele medizinische Hilfsgüter mitgebracht werden. Die Helfer/innen brauchen für ihre Visa nichts zu bezahlen.
  • Die eritreische Regierung unterstützt die Arbeit der NGO’s immer wieder durch Hilfe in der Logistik und durch Bereitstellung von Arbeitskräften – ohne hierfür Geld zu verlangen. So übernimmt sie zum Beispiel die Kosten für die Entladung und die schwierigen Transporte der Übersee-Container über die steile Paßstraße von Massawa bis zum Bestimmungsort.
  • Es bestehen allgemein nur sehr geringe soziale Unterschiede. Das gilt auch für Minister, mit denen man sich z.B. in einem einfachen Lokal zu einer Pizza oder einem Teller Spaghetti treffen kann - stets ohne Bodyguard und Staatslimousine!!! -, um Probleme zu besprechen.
  • Es gibt keine Vetternwirtschaft! Im gesamten politischen Umfeld des Präsidenten Isayas Afewerki findet man aufgrund seiner persönlichen Entscheidung kein einziges Familienmitglied. Dieses Vorbild erlaubt ihm, auch in allen anderen Lebensbereichen jegliche Vorteilnahme durch „Klüngel“ zu unterbinden. Seine engsten Mitarbeiter (Minister) sind bewährte Kämpfer während der langen Kriegsjahre, denen er vertrauen kann. Aber dafür, daß sich – wie in so vielen anderen Ländern – eine kleine politische „Elite“ auf Kosten der Allgemeinheit bereichert, gibt es nicht die geringsten Hinweise!
  • Es gibt keinerlei Personenkult! Auf keinem Plakat, an keiner Hauswand, in keinem Lokal und selbst in keinem öffentlichen Gebäude wie etwa der Post oder in den Wechselstuben findet sich ein Portrait des Staatspräsidenten.
  • Entgegen anderer Behauptungen herrscht in Eritrea Religionsfreiheit. Dabei gehören etwa 50% der Bevölkerung im Hochland den orthodoxen Christen und ca. 48% der Bewohner des Tieflands dem (sunnitischen) Islam an. Der Rest verteilt sich auf verschiedene andere Glaubensrichtungen (siehe hierzu auch: http://en.wikipedia.org/wiki/Religion_in_Eritrea). Auch die Behauptung, daß es radikale Islamisten oder gar Anhänger der Al Kaida gäbe, dient der Diffamierung. Der religiöse Glaube ist tief verwurzelt und wird allgemein sehr ernst genommen. Von Bedeutung ist die Tatsache, daß alle Religionsgemeinschaften und insbesondere auch die beiden großen – Christen und Moslems - seit Menschengedenken völlig friedlich miteinander leben!
  • Es besteht eine völlige Gleichberechtigung der Frauen, die sich dieses Recht als Freiheitskämpferinnen mit der Waffe in der Hand buchstäblich erkämpf haben. Einmal im Jahr wird als ein wichtiger Staats-Feiertag der „Tag der Frau“ begangen als dauerhafte Anerkennung, daß ohne den Einsatz der Frauen in allen Lebensbereichen der Freiheitssieg und damit die Unabhängigkeit des Staates nicht zu erringen gewesen wäre.
  • Seit 2008 besteht ein gesetzliches Verbot gegen jegliche Form der Beschneidung von Frauen. Mißachtungen werden streng bestraft und dies gilt auch für Personen, die davon erfahren, aber es den Behörden nicht melden.
  • Es besteht allgemeine Schulpflicht, die sehr ernst genommen wird! In dem 3-gliedrigen Schulsystem nach englischem Vorbild wird nur in der Grundstufe (Jahrgang 1-4) in der Sprache der jeweiligen Ethnien, aber auch von Anfang an in Englisch unterrichtet, danach findet der Unterricht ausschließlich in Englisch statt. Der Wissensdurst und die entsprechende Lernbereitschaft, aber auch die Disziplin der Schüler/innen ist sehr beeindruckend! Einmal im Jahr präsentieren die Schüler/innen aller Jahrgänge Arbeitsthemen aus dem vergangenen Schuljahr. Sie umfassen Physik, Chemie, Biologie, Umweltverschmutzung, Wiederaufforstung und ähnliche Themen.

  • Die Menschen sind nicht laut und aufdringlich. Um mit ihnen in Kontakt zu kommen, muß man "auf Augenhöhe" auf sie zugehen. Dann öffnen sie sich schnell und unkompliziert. Wer einmal ihr Vertrauen gewonnen hat, findet in ihnen sehr liebenswürdige und zuverlässige Menschen, denen Freundschaft auch ohne große Worte etwas bedeutet.
  • Die Menschen sind trotz ihrer großen Armut (durchschnittliches Einkommen pro Monat ca. 10 Euro und etwa 40% Arbeitslosigkeit) von großer Ehrlichkeit. Wer sein Geld, egal ob in Nakfa, US-Dollar oder Euro (dies sind die gängigen Währungen) offen im Hotelzimmer liegen läßt, wird es am Abend genauso wiederfinden. Die vergessene Kamera wird nachgetragen oder sicher aufbewahrt. Ein Mitarbeiter vergaß eines Abends im Lokal sein Portemonnaie mit all seinem Geld und allen Kreditkarten. Als er es merkte, lief er voller Panik zurück. Dort hatte man schon auf ihn gewartet und überreichte ihm freundlich lachend seine Börse, in der nichts fehlte!

 

Die Hauptstadt Asmara mit zur Zeit ca. 600.000 Einwohnern ist eine Ausnahme unter den afrikanischen Metropolen:

 

Asmara – die Sichere

  • Asmara darf als die sicherste Stadt in Afrika gelten, denn es gibt keine Gewalt auf den Straßen, keine Drogen und auch kein Bettlertum. Auch Frauen aus dem Ausland können bedenkenlos alleine und selbst durch dunkle Straßen gehen, ohne belästigt zu werden.

Asmara – die Saubere

  • Auch in der Hauptstadt Asmara gibt es trotz der Armut keine Slums, sondern nur besonders arme Gegenden, in denen die Menschen extrem „einfach“ wohnen.
  • Die vorbildliche Sauberkeit im ganzen Land ist beeindruckend: man findet nirgendwo Müllhaufen oder Abfallhalden! Viele Bürgersteige und Nebenstraßen hätten zwar dringend eine Reparatur nötig, aber selbst in den Armenvierteln der Hauptstadt Asmara sind die Straßen und Wege „wie geleckt“.

  • Plastiktüten sind in ganz Eritrea verboten!

Asmara – die Schöne

  • Damit gilt Asmara nicht nur als die sicherste sondern auch als die sauberste Stadt– und wegen der einmaligen Architektur aus der italienischen Kolonialzeit auch als die schönste Stadt Afrikas. Insgesamt stehen 460 Gebäude, erbaut im Art-deco-Stil unter Denkmalschutz (!), aber es fehlt an Geld für die Instandhaltung. Einem Antrag der Regierung bei der UNESCO auf Anerkennung als Kulturerbe wurde bisher nicht bewilligt!

Asmara – und ihr berühmter Recyclingmarket

  • Die extreme Mangelwirtschaft seit den Kriegsjahren hat die Eritreer dazu gezwungen, jeden uns als noch so wertlos erscheinenden Gegenstand aufzubewahren und mit viel handwerklichem Geschick daraus etwas Neues zu machen. In etlichen „Straßen“ reiht sich rechts und links ein Familien –Miniunternehmen an das andere, in dem vor allem aus Metallresten neue Gebrauchsgüter hergestellt werden.

 

Eritrea und seine zwei Überlebensmottos


1. Arbeite mit der einen Hand und kämpfe mit der anderen.
Nur so konnte das kleine Volk den 30-jährigen Krieg überleben. Wenn die internationale Staatengemeinschaft endlich die UN-Resolution über den Grenzverlauf zwischen Äthiopien und Eritrea umsetzen würde (ein Grenzverlauf, den beide Staaten im Abkommen von Algier von 2000 unterschrieben haben, der aber kurze Zeit später von Äthiopien erneut in Frage gestellt wurde und noch immer wird) und sich Eritrea damit vor neuen Übergriffen sicher fühlen könnte, dann hätte Eritrea eine große Chance auf eine gute Zukunft.

2. Die oberste Staatsdoktrin lautet: self-reliance (Eigenverantwortlichkeit) – vertraue niemandem und verlaß Dich auf niemanden, sondern hilf Dir selbst.
Diese Haltung resultiert aus den bitteren Erfahrungen des eritreischen Freiheitskampfes, in dem Äthiopien jegliche Unterstützung genoß, während die Eritreer völlig auf sich allein gestellt waren. Und auch heute noch wird das Land durch ständige Diffamierungen diskriminiert und in seiner Entwicklung behindert.

 

Diese Grundhaltungen, der soziale Zusammenhalt, die ernsthaften Bemühungen um Bildung und den Aufbau des Gesundheitswesens bis hin zu dem beeindruckenden Terrassierungs- und Wiederaufforstungsprogramm und dem Anlegen von Wasserreservoirs geben allen Grund zu der Erwartung, dass Eritrea ein Land voller Hoffnung ist.